Hier Bambi, für Dich. Ein Thread, der nur Dir gewidmet ist. Ich will Dir doch nichts böses. Und vor der Tür lauern nur Gefahren!
Zitat:
Konzentriertes Lesen, früher ein Genuss, wird für mich zum Kampf. Ich ahne, woran das liegt. Mehr als ein Jahrzehnt bin ich nun online, suche und surfe und trage bei zur großen Datenbank namens »Internet«. Für mich als Autor ist das Web auf den ersten Blick ja auch ein Gottesgeschenk. Recherchen, die früher Tage gedauert und mich in dunkle Bibliothekskeller und Archive geführt hätten, erledige ich heute innerhalb von Minuten. Ein paar Stichworte bei Google, ein paar Klicks auf Hyperlinks, und ich finde den Fakt oder das Zitat, nach dem ich gesucht habe. Auch in meiner Freizeit schlage ich mich durchs Dickicht des Datendschungels, lese und schreibe E-Mails, scanne Überschriften und Blogs, schaue Videos, höre Podcasts oder springe wild von Seite zu Seite - denn ganz im Gegensatz zu wissenschaftlichen Fußnoten verweisen Links ja nicht nur auf andere Arbeiten, nein, sie schleudern mich regelrecht in deren Richtung.
Nicht nur für mich ist das Internet zum universalen Medium geworden, zum wichtigsten Informationskanal, der meine Augen, meine Ohren und sehr direkt auch meinen Verstand bedient. Der unmittelbare Zugriff auf schier unermessliche Datenmengen bietet fraglos viele Vorteile. Vielleicht ist er sogar ein Segen. Aber diese Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen. Bereits in den 60er Jahren machte der Theoretiker Marshall McLuhan darauf aufmerksam, dass Medien niemals passive Informationskanäle seien. Sie unterfüttern unser Denken, so McLuhan, aber sie beeinflussen auch die Art, wie wir denken. Und das Internet, so scheint es, raubt mir die Fähigkeit zur Konzentration. Mein Verstand erwartet inzwischen von mir, dass ich ihm Informationen auf die gleiche Weise zuführe wie das Internet. In einem konstanten Strom kleiner Häppchen. Früher tauchte ich ein in den Ozean der Worte.
Nun springe ich von Welle zu Welle, als säße ich auf einem Jetski. Als ich meine Überlegungen verschiedenen Freunden schilderte - zumeist aus dem Literaturbetrieb - hörte ich ganz ähnliche Erfahrungen. Je mehr Zeit meine Bekannten im Web verbringen, desto schwieriger fällt es ihnen, sich auf lange Texte zu konzentrieren.
Auch Blogger berichten von diesem Phänomen. Scott Karp, der einen Blog über Onlinemedien führt, hat kürzlich gestanden, dass er überhaupt keine Bücher mehr lese. »Auf der Uni war ich ein Bücherwurm«, schreibt er, »was ist nur mit mir passiert?« Dann spekuliert er: »Vielleicht hänge ich ja gar nicht vor dem Bildschirm, weil sich mein Leseverhalten geändert hat - vielleicht hat sich mein Denkverhalten geändert?«
Das ist ein Teil eines Artikels aus dem
Magazin Neon von Nicholas Carr
Cliffs:
-Google macht doof