Reraised-Pots
by JohnBoy
Vorwort
Da ich mit meinem Spiel in Reraised-Pots seit längerem unzufrieden bin, möchte ich in diesem Artikel dieses Thema etwas genauer beleuchten und hierzu auf das Preflop-Spiel mit Reraises näher eingehen. Die Ideen beziehen sich auf NL FR Tische.
Definition des Reraises (3-Bet)
Unter einem Reraise (3-Bet) versteht wir allgemein einen Raise eines bereits vorangegangenen Raises und somit die zweite Erhöhung in einer Wettrunde.
Ich werde im Verlauf des Artikels mit dem Begriff 3-Bet fortfahren.
Warum 3-Betten wir?
1.) Um Preflop mit einer starken Hand for value zu raisen, da es in einem 25BB Pot einfacher ist Postflop broke zu gehen als in einem 9BB Pot.
2.) Um Fold Equity zu erzeugen, wenn man weiß das der Gegner oft auf 3-Bets folden wird, den gerade mit Händen wie AK oder TT und JJ möchte man nicht unbedingt einen Flop sehen.
3.) Für unser Image, Metagame, etc.
Wird unsere 3-Bet gecallt, spielen wir OOP oder IP?
OOP
Eine typische Situation hierfür findet man, wenn wir in den Blinds sitzen und gegen eine Openraise aus Late Position unseren Blind defenden wollen.
Ein klarer Nachteil ist hier natürlich, dass wir keinen Informationsvorsprung auf unseren Gegner haben, und somit falsche Entscheidungen sehr schnell teuer werden.
IP
Deshalb sollte darauf geachtet werden möglichst IP zu spielen falls unsere 3-Bet gecallt wird. Desweitern hat unser Gegner nun das Problem OOP eine Entscheidung zu treffen.
Villains Erscheinungsbild
Fragen wie:
Welche Stats hat Villain?
Dominiert uns Villains Coldcallingrange?
Haben wir Fold-Equity?
Wie sind Villains Postflopskills?
Gibt es eine History zwischen Villain und uns?
Erleichtern uns die Entscheidung ob eine 3-Bet sinnvoll ist oder wir z.B. mit Händen wie TT und JJ nur auf set value callen.
Stacksizes
Hier unterscheiden wir prinzipiell 4 Arten:
- Shortstack (SSSler
)
Werden wir von einen Shortstack 3-gebettet oder 3-betten selbst gibt es nur 2 Möglichkeiten entweder Allin oder fold. Mit KK+ und AK können wir immer allin gehen, je nach Position des Shortys kann auch mit JJ+ gecallt werden.
- Midstackes
Gegen diesen Typ von Spieler (ca. 50BB), der augenscheinlich nicht als der Stärkste einzuschätzen ist, weil er sonst mit einem vollen Stack am Tisch sitzen würde, callen/raisen wir QQ+ und AK for value. Die Stärke von spekulativen Händen nimmt gegen diesen Typ Spieler ab. Am besten man bekommt diesen Spieler Preflop allin.
- Fullstackes
Wir können gegen eine 3-Bet eines Fullstack Spielers unsere Pocketpairs nicht profitabel auf Setvalue callen. Sollten wir nun mit unserer Hand eine 4-bet machen, so haben wir immer noch etwa 50-60BB übrig. Sollte unsere 4-bet vom Gegner gepusht werden, so können wir fast sicher sein, gegen eine sehr starke, enge Range zu spielen. Auf das Spiel gegen eine Fullstack werde ich später noch näher eingehen.
- Deepstackes
Gegen einen Deepstack, also einem Spieler mit deutlich mehr als 100BB, ändern sich die implied Odds erheblich. So kann es gut möglich sein, dass wir sogar mit einem Pocketpair noch profitabel auf Grund der Stacksizes callen können. Somit verlieren aber Hände wie AK oder AQ an Stärke. Beim Call besteht wieder der Nachteil, Postflop je nach Position und ohne Initiative die Hand aufgeben zu müssen. Eine 4-bet schafft in einem solchen Spot oft mehr Klarheit über die gegnerische Hand. Allerdings kommt man auch hier oft in eine schwere Situation, wenn der Gegner die 4-bet callt und wir am Flop keine Hilfe bekommen.
Hier kann man insgesamt keine allgemeine Empfehlung abgeben, wir sollten aber darauf achten möglichst Postflop in Position zu spielen und auf zu starke Gegenwehr auch TPTK zu folden.
Das Spiel gegen Fullstackes
Wie bereits geschildert, möchte ich noch etwas genauer auf das Spiel gegen einen Fullstack eingehen.
Wir raisen in MP2 und bekommen vom MP3 eine 3-bet, alle anderen Spieler folden. Mit AA oder KK können wir hier einfach nochmals raisen und auch ein All-in callen. Was machen wir aber mit JJ, QQ und AQ, AK?
1.) Folden
Folden ist eine von den Möglichkeiten um uns gegen die 3-Bets der Gegner zu verteidigen. Es gibt Spieler die jedes Mal, wenn ein Spieler in Position sie reraist, glauben, dass dieser Spieler versucht den Pot zu stehlen. Wenn wir jedes Mal nach einer 3-Bet des Gegners OOP callen, werden wir in zu viele große Pots verwickelt mit Hands, die wir lieber vor dem Flop hätten folden sollen. Merken wir das unser Gegner sehr relativ light 3-bettet werden wir uns darauf einstellen, indem wir ein weitere Range coldcallen oder 4-bets einstreuen.
2.) Callen
Die zweite Reaktion auf einen 3-Bet ist zu callen. Dies ist eigentlich etwas was nur selten gut ist. Wir geben hiermit nämlich die Kontrolle in der Hand auf während der Pot ziemlich groß wird. Gerade wenn wir OOP sitzen ist das suboptimal. Wenn wir in Position sind können wir mit mehr Hands callen weil wir nach dem Flop von unserem Gegner mehr Informationen erhalten.
3.) Raisen – Die 4 Bet
Es gibt einen großen Fehler den viele Spieler beim 4-Betten immer wieder begehen - sie comitten sich zu schnell. Das kommt weil sie, bei einer 3-Bet des Gegners die ungefähr 12-15% seines Stacks beträgt, sich gezwungen fühlen eine Entscheidung über ihren ganzen Stack zu treffen.
Was ist also besser? Die 4-Bet klein halten. Wenn wir hier nämlich seine 3-Bet von 12BB reraisen auf 24BB (anstatt 36BB) wird er seinen Bluff immer noch folden. Wenn er aber All-In geht, können wir unseren Bet immer noch folden.
Beim „normalen" 4-Betten gibt es zwei Probleme:
1.) Wenn der Gegner Allin geht könne wir eigentlich nicht mehr folden.
2.) Weil der Gegner weiß, dass wir nicht mehr folden können, wird er mit seinen starken Händen Allin gehen und schwache Blätter folden.
- Vorteile einer 4-bet
Wir signalisieren eine starke Hand wie AA oder KK und haben somit noch einiges an Foldequity. Wir können auf ein Push des Gegner folden.
- Nachteile einer 4-bet
Sollte die vom Gegner gecallt werden, müssen wir auf Grund der Potgröße am Flop und der Tatsache Preflopaggressor zu sein eigentlich immer unser Geld in die Mitte schieben oder c/f spielen.
- Vorteile des Callen der 3-bet
Wir halten den Pot klein und können uns den Flop anschauen. Treffen wir am Flop mit nichts, können wir einfach c/f spielen.
- Nachteile des Callen der 3-bet
Wir haben keine Initiative. Sollten wir z.B. mit AK am Flop treffen, können wir durchaus gegen AA oder KK hinten liegen, können aber dennoch nur schwer folden. Wenn wir QQ halten, flopt oft ein K oder A, so dass wir unsere Hand aufgeben müssen.
Wie man sieht, kann man keine ideale Line vorschlagen, denn hinzu kommt immer noch die Spielweise des Gegners.
C-Bets im reraised Pot
Die Größe der c-bet in einem reraised pots sollte, die gleiche Größe wie in einem „normalen“ Pot haben, also ½ bis ¾ des Pots weil:
1.) wir dadurch den Pot nicht so oft mitnehmen müssen, als wenn wir größer c-betten
2.) wir bei einer starken Hand noch leicht allin kommen, auch wenn wir nicht so groß betten
MfG John
