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Das Spiel des Jahres: Poker
28.12.2006

Das Spiel des Jahres: Poker

Das Spiel des Jahres: Poker

Überall wird mittlerweile Poker gespielt, besonders in deutschen Kinderzimmern. Das Kartenspiel ist allgegenwärtiger denn je. Und es kommt weniger als Glücksspiel daher, sondern als ernstes, nüchternes, mathematisch berechenbares Spiel. Beinahe wie Sport.

Früher saßen sie in den Hinterzimmern von Kneipen, Räumen voller Rauch. Fiese Gesichter über schmuddeligen Tischen, die mehr Whisky geschlürft hatten, als gewöhnliche Menschenlebern überleben. Labbrige Geldscheine stapelten sich neben den Spielern, die alberne Hüte trugen. Sie spielten ein Spiel, das zu Amerika gehört wie Baseball und der Thanksgiving-Truthahn. Allerdings gehörte es zu seiner dunklen Seite.

Bis zum Jahr 2006. Denn nicht Fußball ist das Spiel des Jahres. Auch nicht „Thurn und Taxis“, obwohl das den beliebten und auflagesteigernden Aufkleber auf dem Karton tragen darf. Das Spiel des Jahres ist Poker.Das hatte sich abgezeichnet, als in Amerika mit einigem Erfolg und ohne große Vorankündigung bald ein Dutzend Poker-Bücher auf den Markt kamen, der nicht wirklich bereitet war für Royal Flush und Co. Und sich außerdem der neue Bond ankündigte.

Damit allein ist diese Renaissance nicht zu erklären. Mit anschwellender Spielsucht auch nicht und mit der Heraufkunft charismatischer Spieler nur bedingt. Ob Soziologen aus der neuen Massenspielbewegung systemtheoretische Schlüsse ziehen können, darf füglich bezweifelt werden.

Vielleicht lässt es sich damit erklären: Wie der Phönix ist nämlich ein neues Pokern der anrüchigen Asche der Spielgeschichte entstiegen, ein Poker fürs 21. Jahrhundert, ein Pokern nach dem Rauchverbot, eines für Kinder (der Weihnachtshit des Spielwarenhandels war? Richtig: Poker-Sets). Ein nüchternes, fast cleanes Spiel. Es sieht gar nicht nach Glücksspiel aus, es sieht aus wie Schach. Es wird gepokert, wie Michael Schumacher Formel-1-Rennen fuhr.

Vielleicht deswegen – und schon vor James Bonds Poker-Duellen im montenegrinischen Casino Royale – hat das Zocken inzwischen auch das Skatland Deutschland erreicht. Man kann mit der Veranstaltung von Pokerturnieren ganze Hallen füllen. Sportsender zeigen, wenn gerade nichts Besonderes zu übertragen ist, nicht mehr Rhythmische Sportgymnastik oder wiederholen die Höhepunkte der vergangenen drei Wochen. Sie starren in die Gesichter vor sich hin starrender Spieler und in deren Karten. Sie üben sich in branchenunüblicher Entschleunigung. Sie zeigen, wie ein schönes Nichts beinahe passiert. Aber damit wären wir jetzt beinahe wieder bei James Bond.

Artikel erschienen am 27.12.2006 bei welt.de geschrieben von Elmar Krekeler

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