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Silvester wie James Bond
30.12.2006

Silvester wie James Bond

Silvester wie James Bond

Wenn in der Silvesternacht Raketen in den Himmel steigen, fallen in immer mehr deutschen Spielbanken Asse und Könige auf den Filz. Pokern hat 2006 die staatlich konzessionierten Kasinos im Sturm genommen. Es ist noch nicht lange her, dass das Wetten auf die beste Kartenkombination im TV Millionen Zuschauer in Zockerfans verwandelte, die sich im Handumdrehen fit genug fühlten, um anschließend in explosionsartig anwachsenden Internet-Poker-Rooms dem Glücksspiel zu frönen. Wer heute in den mal mehr, mal weniger noblen Kasinos der Republik um Bares pokern will, hat ohne Reservierung keine Chance. Das gilt selbst an Silvester.

Wo der Card Room nicht für die Musikband gebraucht wird, pokern sich Tausende Deutsche ins neue Jahr hinein. Die von den meisten Spielbanken für Silvester angebotenen Dinnerkarten, meist um die hundert Euro teuer, sind bundesweit kaum noch erhältlich. «Unsere Kapazität reicht nur für 150 Dinnergäste», berichtet Bad Homburgs Kasinochef Andreas Krautwald. «Aber wir hätten über 500 Karten verkaufen können.»

Für 95 Euro gibt es in dem Kurort ein Gala-Menü, ein Tombola-Los und einen Aperitif - aber nur einen einzigen Zwei-Euro-Jeton. Den Einsatz fürs Glücksspiel muss dann jeder noch mitbringen. Was den Ansturm nicht mindert. Wer keine Karte ergattert hat, verzichtet aufs Dinner, bezahlt für den Champagner und zockt, bis der neue Morgen graut. Die Bad Homburger Spielbank rechnet, wie andere große Häuser auch, mit über tausend Spielern, denen der Kitzel einer aufsteigenden Rakete oder einer brennenden Wunderkerze nicht reicht, um das Jahr 2007 zu begrüßen.

Und natürlich bleibt das Roulettespiel der Klassiker - von den Kasinos schon allein deswegen gepflegt, weil die rollende Kugel den eigentlichen Gewinn abwirft. Denn die Spielbanken haben die Pokerwelle aufgegriffen, obwohl das Kartenspiel am Kasinotisch «eher ein Non-Profit-Geschäft ist», sagt Krautwald. Nur am von Hobbyspielern zwar umlagerten, aber gefürchteten Cash Table kassiert die Bad Homburger Spielbank bescheidene zehn Euro ein, wenn der gewonnene Pot 200 Euro erreicht oder darüber liegt.

Die überlaufenen Amateur- oder Einsteigerturniere sind «eine Serviceleistung». Krautwald und Kollegen wollen einfach, dass die Attraktion des Pokerspiels Gäste ins Haus bringt. Schließlich sind viele Kartenzocker nicht abgeneigt, auch mal beim Roulette zu setzen oder Black Jack auszuprobieren. Anders als am Cash Table nehmen sich die Spieler beim Turniermodus nicht auf direktem Weg gegenseitig das Geld ab. Für einen kleinen «Buy In» von 40 Euro gibt es in Bad Homburg - andere Kasinos verfahren vergleichbar - Spielchips im Wert von 1000 Punkten. Sieger ist, wer unter den maximal elf Kontrahenten pro Tisch als letzter noch Chips hat.

Als Gewinner kassiert er das Preisgeld, den «Buy In» fürs Hauptturnier, meist 400 Euro. Dabei gibt es einmal im Monat für Sieger und Platzierte insgesamt 20 000 bis 30 000 Euro zu gewinnen. Außer an Cash Tables, wo der harte Pokerkern unterschiedliche Varianten kennt, wird bei den Amateurturnieren stets das aus dem Fernsehen bekannte «Texas Hold´em» gespielt. Aus zwei eigenen Karten und den fünf aus der Mitte baut sich jeder am Tisch die beste Fünferkombination zusammen.

Eine recht einfache Pokerversion, die die Spieldauer pro Tisch auf 60 bis 90 Minuten begrenzt. Auch zur Freude der Zuschauer, die nicht lange warten müssen, bis der erste Zocker pleite ist - aber eben nicht bankrott. Pokern ist in Deutschland zum heimlichen Spiel des Jahres 2006 geworden. Zocken ums kleine Geld schickt sich an, Volkssport zu werden. Und auch, wer an die teuren Cash Tables will, sollte seinen abendlichen Platz besser reservieren, was vielerorts bereits online per Kreditkarte geht.

Aber anders als Roulette ist selbst das Pokern um kleine Summen eine männliche Domäne geblieben. «Damen sind am Pokertisch die Ausnahme», sagt Krautwald. Was für die Rezeption des neuen James-Bond-Films «Casino Royal» nicht gelten dürfte. Agent 007, auch er stand früher nur am Roulettetisch, bricht weiterhin Frauenherzen. Aber inzwischen pokert er lieber.

Quelle:(ddp)

Redaktion PokerWorld24.org
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