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Gute Karten für einst verruchtes Spiel
25.06.2006

Gute Karten für einst verruchtes Spiel

Gute Karten für einst verruchtes Spiel

(externer Artikel)

Im September findet in Barcelona die Europameisterschaft im Pokern statt. Björn Griese ist einer von zwölf deutschen Teilnehmern.

Rösrath - “Ass und König. Ich war gespannt, ob das durchgeht.” Björn Griese schmunzelt. “Aber das Blatt hat gehalten.” Das war am 13. März morgens um 3 Uhr, nach 14 Stunden Poker. “Danach bin nach Hause gefahren, hab mich eine Stunde vor den Fernseher gesetzt und bin dann schlafen gegangen. Erst einen Tag später habe ich alles so richtig realisiert.” In dem Pokerturnier in Troisdorf setzte sich der 40-jährige Rösrather gegen 250 Pokerspieler durch und hat sich damit für die “Everest Poker European Championship” in Barcelona im September qualifiziert.

Seit 1995 spielt der selbstständige Gastronom Turnierpoker. Dazu gekommen sei er durch Zufall, erinnert sich Griese. Mit Freunden war er in Wiesbaden unterwegs und nahm aus Spaß an einem Pokerwettkampf teil. “Ich bin bis an den Finaltisch gekommen, aber dann ausgeschieden.” Griese lächelt und sagt: „Da habe ich Spaß daran gefunden und angefangen, hier und da Hausturniere zu besuchen und Veranstaltungen der GPPA - der German Poker Players Association. Vorher hatte er mit Freunden ab und zu mit Bierdeckeln als Einsatz gespielt.

Poker wird vor allem in Casinos und auf Veranstaltungen der Deutschen Poker Liga (DPL) gespielt. Jeder bekommt zwei Karten und muss daraufhin seinen Einsatz abgeben. Dann werden weitere drei Karten offen auf den Tisch gelegt. Der Spieler, der mit allen fünf Karten das höchste Blatt hat, gewinnt.

Von den Casinobetreibern werden regelmäßig Turniere angeboten, die so genannten Hausturniere. Für ein Startgeld bekommt jeder Teilnehmer Chips, die den Einsatz für die einzelnen Spiele bilden. Gespielt wird im K.o.-System an Tischen mit jeweils zehn Teilnehmern. Wer keine Chips mehr hat, scheidet aus. Am Ende treffen die erfolgreichsten am Finaltisch aufeinander. “Wenn man den erreicht hat, ist man im Geld”, erklärt Björn Griese, “dann ist der zu erwartende Gewinn höher als das bezahlte Startgeld.”

Vor allem durch die Sportsender hat Poker in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt. “Die Einschaltquoten solcher Sendungen sollen höher sein als die der Talkshows”, sagt der Rösrather. Im Fernsehen können die Zuschauer die Karten der Spieler sehen. Ein Sprecher kommentiert jedes einzelne Blatt und die möglichen Gewinnchancen. Früher hing dem Poker ein verruchtes Image an, aber inzwischen hat sich das Kartenspiel als Turniersport etabliert. “Poker ist ein anerkannter Sport. Statt Whiskey wird Kaffee getrunken, und Rauchen ist am Tisch verboten.”

Hauptsächlich durch Turniere bereitet sich der 40-Jährige auf die Meisterschaft in Barcelona vor. Auf zwölf nationalen Veranstaltungen wurden und werden die zwölf Teilnehmer aus Deutschland für Barcelona ermittelt. Insgesamt sind dort 100 Spieler aus acht Ländern dabei. Zum Training fuhr Björn Griese Ende Mai nach Hamburg auf ein weiteres Qualifikationsturnier für die Hamburger Meisterschaft. Doch dort lief es für ihn nicht so gut wie in Troisdorf. “Ich bin noch nicht einmal unter die letzten Zehn gekommen”, sagt er, “aber die Rahmenbedingungen waren einmalig. Ende Juni folgen die Austria Master’s in Seefeld in Tirol.” Turnierpoker sei ein sehr zeitintensives Hobby. “Doch man sieht viele verschiedene Städte und Länder.”

Die Turniere finden meist an Wochenenden statt und dauern etwa acht Stunden pro Tag. “Ich muss beobachten, gucken, wer wie hoch setzt. Muss meine Mitspieler einschätzen, mir eine Strategie überlegen, schnell entscheiden”, beschreibt der Rösrather den Ablauf solcher Wettkämpfe. “Und wenn ich schlechte Karten habe, brauche ich Disziplin, um warten zu können.”

Der Betreiber zweier Gaststätten und ehrenamtliche Schöffenrichter am Amtsgericht Bergisch Gladbach findet den nötigen Ausgleich beim Sport. Zweimal in der Woche geht er ins Fitnessstudio. „Geduld und Disziplin übe ich beim Angeln oder beim Billard“, verrät Griese. „Und im Schießverein kommt es auf eine ruhige Hand an“, ergänzt er. „Aber dazu komme ich nur noch selten.“

Neben den häufigen Reisen und der Sponsorenpflege bleibt auch wenig Zeit für den heimischen Computer und das Internet, wo Björn Griese ebenfalls gute Möglichkeiten zum Training hat: “Es finden sich immer genügend Spieler im Netz, und man kann sich über interessante Events informieren.” Für ihn von Vorteil, da er oft erst spät in der Nacht von der Arbeit kommt. Auch Turniere können im Internet gespielt werden. Doch der Rösrather steht dem sehr verhalten gegenüber: “Ich würde jedem empfehlen, erst einmal die Übungsräume solcher Seiten aufzusuchen.” Man solle sich als Anfänger von Bargeldeinsätzen fern halten. “Es gibt Pokerschulen im Netz, die kostenlos sind.”

Für Björn Griese ist die Abgrenzung zwischen seinem Beruf und seinem ungewöhnlichen Hobby sehr wichtig. Mit seinen Gästen pokert der Gastronom grundsätzlich nicht. “Da wird nur mit den Stammgästen geknobelt. Aber einige fragen schon, wie es auf den Turnieren gelaufen ist.”

Auf die Frage, welche Rolle das Glück denn beim Pokern spielt, wird der 40-Jährige erst einmal nachdenklich. “50 Prozent” lautet nach sekundenlanger Stille die Antwort. Dann korrigiert er sich: “40 Prozent.” Er atmet tief durch und sagt dann überzeugt: “30 Prozent Glück. Der Rest liegt an einem selber.”

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