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Neuer Strategieartikel: Resultatorientiertes Denken
22.08.2007

Neuer Strategieartikel: Resultatorientiertes Denken

Neuer Strategieartikel: Resultatorientiertes Denken

Eine wichtige Eigenschaft, die man als Pokerspieler braucht, ist es, Resultatorientiertes Denken zu vermeiden. Wer sich bei seiner Entwicklung als Pokerspieler von seinen Resultaten zu viel beeinflussen lässt und sein Spiel an diesen Resultate misst, wird auf kurz oder lang Probleme bekommen.

Einführung

Zunächst einmal sollte geklärt werden, was Resultate in unserem Fall sind. Es geht hier nicht um langfristige Resultate - wenn jemand nach 1.000 SNGs einen ROI von 15% aufweisen kann oder wenn jemand nach 150.000 Händen in seinem Level mit 6-10 BB/100 schlägt, kann man sich schon an seinen Resultaten orientieren und feststellen, dass er versteht, was er macht.Die Resultate, mit denen sich dieser Artikel beschäftigt, sind die kurzfristigen Resultate. Das geht von einer Hand über eine Hand voll Hände bis zu einer kleinen Zahl von Turnieren. Bei diesen kleinen Stichproben (sample size) entspricht das Ergebnis auf Grund der hohen Varianz, die beim Poker nun einmal gilt, oft nicht dem Erwartungswert und damit dem Ergebnis, das man im long run (langer Zeitraum = große Stichprobe) erfährt.Schließlich ist der eben benannte Long Run der Maßstab an dem ein Pokerspieler seine Erfolge misst. Auch ein blindes Huhn fängt mal ein Korn und kann eine Hand, ein SNG oder gar ein großes Turnier gewinnen, aber wirklich gut spielt nur der, der diese Erfolge im Long Run ebenfalls hat und bei dem diese sich wiederholen. Dies zu akzeptieren und von einzelnen Ergebnissen loszulassen, ist sehr wichtig.

Beispiele

An dieser Stelle möchte ich einige Beispiele bringen, bei denen Resultatorientiertes Denken eine Rolle spielt bzw. spielen kann.Eines der häufigsten Phänomene beim Resultatorientierten Denken und zugleich der größte Fehler, der dadurch entstehen kann, ist die Frage “Soll ich meine Asse preflop folden?”. Ein Spieler ist bei einem Turnier vielleicht nah der Bubble oder nah dem Final table und callt das All In eines Gegners, der ihn gecovert hat, mit zwei Assen. Dem Gegner gelingt das durchaus mögliche und er schafft es die Pocket Asse zu cracken. Der Spieler scheidet vor dem Geld oder vor dem Final Table aus und fragt sich ob es nicht intelligenter wäre, die Asse zu folden, um das Ausscheiden zu vermeiden oder um die Chance auf mehr Gewinn zu wahren. Noch schlimmer ist: Er tut es tatsächlich. Denn die Antwort auf diese Frage ist zu 99,9% “Nein”. In einem Turnier mit steigender Preisgeldstruktur kann es nie empfehlenswert sein, Asse zu folden, da diese gegen jede denkbare Hand des Gegner ein ausreichend großer Favorit ist, sodass ein Call im long run auf jeden Fall das bessere Ergebnis nach sich ziehen muss.Ein anderes, weit verbreitetes, wenn auch in diesem Fall etwas überspitztes Phänom ist folgendes: Ein Spieler UTG raist auf den vierfachen Big Blind, ein Spieler in UTG+2 reraist ihn auf 18BB und Hero hält im BB 72o. Hero denkt “Absolute Trashhand, folde ich.” Und das tut er auch. UTG callt den Reraise und es kommt der Flop. 722. Hero denkt: “Hätte ich bloß gecallt, ich hätte beide geschlagen und viel Geld verdient.” Ein paar Runden später entsteht dieselbe Situation. UTG raist auf 4BB, UTG+2 reraist auf 18BB und BB Hero findet 72o. Hero denkt: “Letztes Mal hätte ich mit der Hand ein Monster gefloppt und viel Geld gewonnen. Also versuch ich es jetzt mal.” Hero callt, UTG callt der Flop kommt AJ4 und Hero hat 18BB verschenkt. Es kommt vor, dass auch eine Trashhand ein Monster floppt. Und natürlich ärgert man sich, wenn man die Hand dann weggeschmissen hat, aber solange man preflop mit dem Fold die richtige Entscheidung getroffen hat, ändert dies nichts daran, dass der Fold an sich im Long Run einen positiven Erwartungswert hat. Der Call hingegen ist, trotz des einmaligen positiven Flops, auf Dauer gesehen ein verlierender Call.Das dritte Beispiel ist mir neulich in einem Pokerforum untergekommen. Ein Anfänger hatte eine Hand gepostet, bei der er auf dem Turn in Position saß und AA hielt. Er hatte nach seinem preflop Raise auf dem Two Flush Board am Flop gesetzt und entschied sich nun, nach einer Blank auf dem Turn hinter seinem Gegner zu checken. Seine Begründung war: “Ich habe das Gefühl auf dem River zu verlieren, weil meine Gegner ihren Flush machen.” Daher gab er seinem Gegner die um seinem Draw zu treffen.
Ich erklärte ihm dann, dass wenn er auf dem Turn setzt und seinen Gegner dazu zwingt, gegen seine Odds zu callen, er im long run profitieren wird. Er kann dadurch zwar nicht verhindern, ausgedrawt zu werden, aber er kann davon profitieren, dass sein Gegner versucht ihn auszudrawen, wenn er es eigentlich sein lassen sollte.Ebenfalls ein markantes Zeichen von Resultatorientiertem Denken sind Aussagen wie “Meine Asse werden immer geschlagen.”. Das ist schlicht und einfach falsch, nur merkt man sich selten, dass man mit Assen gewinnt. Man erwartet es ja nicht anders. Verliert man aber (was immerhin in ca. 15-20% der Fälle passiert), ist die Erinnerung länger da, da sie eben von der Norm abweicht. Auch Aberglaube ist eine Form von Resultatorientiertem Denken und daher am Pokertisch nur sehr eingeschränkt zu empfehlen.

Pot Odds als Beispiel für Nicht-Resultatorientiertes Denken

Pot Odds sind das täglich Brot für jeden Pokerspieler - Jeder nutzt sie, ob intuitiv oder bewusst - Jeder Spieler wird davon beeinflusst, egal wie oft ein großer Pokerstar behauptet, er würde mehr auf seine Gegner achten, Pot Odds sind immer da und werden es auch immer sein. Warum? Weil sie eine recht einfache Formel sind, um den Erfolg im Long Run abzuschätzen.Wenn wir auf dem Turn einen Flush Draw halten und unser Gegner gibt uns die richtigen Pot Odds, um unsere Flush zu jagen, jagen wir ihn auch. Es ist egal, ob wir ein, zwei oder dreimal nicht treffen. Wir wissen, dass wir, wenn wir ihn treffen, die Hand gewinnen und damit im Long Run erfolgreich sein werden. Damit sind die Pot Odds ein einfaches Werkzeug und das optimale Beispiel für Nicht-Resultatorientiertes Denken.Wer das System der Pot Odds verstanden hat, ist auch in der Lage Resultatorientiertes Denken im Bezug auf andere Situationen zu vermeiden. Er muss nur die Augen aufmachen und die einfachen Gesetze der Wahrscheinlichkeit akzeptieren - denn nichts anderes ist Poker.

Fazit

Ein einfacher Lehrsatz, dem ich jedem, bei dem ich Resultatorientiertes Denken entdecke, mit auf den Weg gebe, ist “Eine gut gespielte Hand muss nicht immer gewinnen - eine schlecht gespielte Hand kann auch gewinnen.” Es geht nicht darum eine Hand zu gewinnen, es geht darum diese gut zu spielen, um im Long Run damit Erfolg zu haben. Schafft man es dann auch noch, sich nicht davon ablenken zu lassen, dass man diese Hände eben auch verlieren kann, hat man einen großen Schritt in richtigen “Regular Winning Player” gemacht.Der zweite Teil des oben genannten Merksatzes soll ferner darauf hinweisen, in seiner Session Review auch die Hände, die man gewonnen hat, unter die Lupe zu nehmen. Denn es kann gut sein, dass man einfach mal “Glück” hatte und eine schlecht gespielte Hand gewonnen hat.
       

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